Experte Schörkhuber: Hochschulseelsorge als "offene Begleitung" in einem säkularen und an Forschung und Wissenstransfer orientierten Umfeld
Linz, 16.10.2026 (KAP) Hochschulseelsorge muss aktiv auf Studierende und Lehrende zugehen, sich auf deren Lebensrealität einlassen und neue Zugänge zu religiösen Fragen eröffnen. In einem zunehmend säkularen Hochschulumfeld könne Seelsorge nicht mehr mit einem selbstverständlichen Platz rechnen: "Den muss man sich erarbeiten", sagt der Theologe und Bildungswissenschaftler Bernhard Schörkhuber in der Linzer Kirchenzeitung (aktuelle Ausgabe, 15.10.). Hochschulpastoral die Menschen an Universitäten und Hochschulen unterstützen möchte stehe in diesem meist säkularen und an Forschung und Wissenstransfer orientierten Umfeld "vor der ultimativen Zerreißprobe zwischen dem hyperaktiven Drang, 'nur noch kurz die Welt zu retten', und der ernüchternden Realität einer Gesellschaft, in der nichts fehlt, wo Gott fehlt".
Schörkhuber, der selbst in der Hochschulpastoral tätig war, erläutert die Seelsorge im universitären Bereich vor allem als "offene Begleitung". Entscheidend sei eine nicht bevormundende Haltung. Es gehe um christliche "Compassion" - also eine mitfühlende, engagierte Zuwendung zu den Menschen - und nicht darum, Studierenden als vermeintlich Wissende gegenüberzutreten. "Es braucht eine Haltung der Demut, um zu einem authentischen Gesprächspartner zu werden", so der Theologe.
Religiöse Erfahrungen jenseits der Sonntagsmesse
Dass Seelsorge nicht automatisch zu mehr Kirchenbesuchen führen müsse, zeige die Erfahrung mit Hochschulgottesdiensten unter der Woche. Studierende und Lehrende hätten ihm gegenüber solche Feiern als ihren "Sonntagsgottesdienst" bezeichnet, so Schörkhuber. Die Seelsorge würden die Studierenden als etwas Religiöses verorten, aber nicht unbedingt mit "Kirche" verbinden.
Um Studierende und Lehrende zu erreichen, müsse Hochschulpastoral daher unterschiedliche Wege nutzen. Schörkhuber nannte persönliche Begegnungen über Feiern und interreligiöse Impulse bis zu sozialen Netzwerken. Wichtig sei zudem der Faktor Zeit. Seine Überlegungen zur Hochschulpastoral hat Schörkhuber auch in dem 2025 erschienenen Sammelband "Wisse die Wege. Hochschulpastoral in Zeiten der Transformation" (Edition Widerhall) veröffentlicht.