Laut dem Autor und evangelische Theologen Arnd Henze droht das Leitbild von US-Verteidigungsminister Hegseth, rationale Politik zu verdrängen
Köln, 15.10.2026 (KAP/KNA) Laut dem USA-Experten Arnd Henze will der US-amerikanische Verteidigungsminister Pete Hegseth mit einem neuen Religionsbüro im Pentagon die Militärseelsorge umstrukturieren. "Er hat die wesentlichen Leute an der Spitze der Militärseelsorge gefeuert, hat ihnen vorgeworfen, dass die ganze seelsorgerliche Betreuung der Soldaten bisher viel zu woke, also viel zu wenig christlich und viel zu sehr therapeutisch ist", sagte der Autor und evangelische Theologe am Donnerstag im "Deutschlandfunk"-Interview, wie die Nachrichtenagentur KNA meldet.
Henze ergänzte, Hegseth habe die Zahl der anerkannten Religionsgemeinschaften in der Armee von 200 auf 31 reduziert. Sein Ziel sei eine Seelsorge, die dazu diene, die Truppen kriegstauglich zu halten - unter seiner persönlichen Kontrolle. Hegseth wolle außerdem die Homeschooling-Bewegung finanziell unterstützen, so dass Militärfamilien ihre Kinder von zu Hause nach christlichen Werten unterrichten können. "Das ist ein Teil der Umwandlung der Armee in eine dezidiert religiös geprägte, christlich geprägte Militärmaschine", so Henze.
Unter dem Begriff "spirituelle Fitness" verberge sich das Pendant zum "maskulinen Kult", den Hegseth, der sein Ressort selbst bereits in Kriegsministerium umbenannt hat, in der US-Armee eingeführt habe. Dieser sei "extrem frauenfeindlich und feindlich gegenüber Minderheiten, die seinem Bild vom gestählten, weißen, männlichen Körper nicht entsprechen", so der Theologe. Hegseth überlagere mit der Erzählung, die Armee habe eine geistliche Schlacht zu führen, all das, was "an praktischer, rationaler Politik in einem Ministerium geleistet werden müsste, durch eine religiöse Ideologie eines weißen christlichen Nationalismus".
Formal gelte in der Armee zwar Religionsfreiheit, doch praktisch hätten sich bereits Hunderte Soldatinnen und Soldaten beschwert, weil die Kommandeure vor Ort mit der nahen Schlacht von Armageddon und der Wiederkehr des Messias argumentiert hätten. Wenn der Chef von oben vorgebe, wie das Ganze religiös zu lesen ist, drohe, dass auf der Ebene darunter Kommandeure versuchten, ihre Truppe religiös zu indoktrinieren und ihnen ihren Kampfeinsatz nicht mehr rational, sondern religiös erklärten, sagte Henze.
Machtanspruch und männliche Dominanz
Bei einem Besuch in der evangelikalen Kirchengemeinde von Pete Hegseth in Washington habe man ihm erst einmal zum Sieg der AfD gratuliert, berichtete Henze. Hier herrsche eine "ausgeprägt maskuline Stimmung", beschrieb der Journalist. "Frauen haben da überhaupt nichts zu sagen." So wurde bei einer Taufe auch nur der Vater angesprochen, "als der Head of Home, also als der Kopf des Hauses", während die Frau nur nicken durfte. "Dieser Gedanke eines ganz, ganz streng hierarchisch geordneten Familienbildes mit einer klaren maskulinen Führung, das war durchgängig zu spüren", sagte Henze.
In der Predigt sei der Machtanspruch, die Kontrolle über Politik, Wirtschaft, und die entscheidenden Stationen des gesellschaftlichen Lebens zu übernehmen und sie christlich zu formieren, klar formuliert worden. Hier werde ein "sehr autoritäres Verständnis von Christentum" gepredigt und gelebt. Dazu passen laut Henze Forderungen, das Frauenwahlrecht abzuschaffen und durch ein Haushaltswahlrecht zu ersetzen, ergänzt durch Forderungen nach Rehabilitierung der Sklaverei und Todesstrafe.