Leo XIV. mahnt zum Einsatz für den Frieden - Warnung vor "Illusion der Wiederaufrüstung" - Leo XIV.: "Europa hat in den letzten 80 Jahren eindrucksvoll bewiesen, dass es möglich ist, unterschiedliche Meinungen, Forderungen und Interessen geltend zu machen, indem man sich begegnet, anstatt sich zu bekämpfen" - Appell an Europas Jugend - Macron und Kardinal Aveline erinnern an Gründerväter Europas
Metz, 28.09.2026 (KAP) Papst Leo XIV. hat eindringlich für ein geeintes, friedliches Europa geworben und scharfe Kritik an aktuellen sicherheits- und migrationspolitischen Entwicklungen geübt. An dem Ort, an dem der EU-Gründervater Robert Schuman einst lebte, beklagte Leo XIV. am Montag eine zunehmende Verrohung: "Heutzutage werden die Beziehungen zwischen Menschen und zwischen Staaten immer barbarischer."
Das gegebene Wort werde missachtet, kritisierte Leo XIV., stattdessen rühme man sich der Lüge und der Täuschung. Europa könne dieser Abwärtsspirale ein Ende setzen. Es habe in den vergangenen 80 Jahren "eindrucksvoll" bewiesen, "dass es möglich ist, unterschiedliche Meinungen, Forderungen und Interessen geltend zu machen, indem man sich begegnet, anstatt sich zu bekämpfen". Völkerrecht und Multilateralismus bildeten das beste Gegenmittel gegen jeden Herrschaftswillen, der die Ursache jedes Konflikts ist.
"Illusion der Wiederaufrüstung"
Während sich Europa mit 800 Milliarden Euro bis 2030 kriegstüchtig machen will, sagte Leo XIV.: "Es ist kein Zufall, dass die wiederkehrenden Forderungen nach einer Erhöhung der Militärausgaben und die daraus resultierenden Entscheidungen von vielen Regierenden mit der Gefährlichkeit anderer gerechtfertigt werden." Er warnte jedoch vor der "Illusion der Wiederaufrüstung".
Die Förderung des Friedens sei ein aktives Unterfangen. "Heute müssen wir uns fragen, ob wir tatsächlich kreative Anstrengungen unternehmen, um den Weltfrieden zu fördern, oder ob wir lediglich versuchen, das Blutvergießen des Krieges einzudämmen und uns besser auf jene Kriege vorzubereiten, von denen wir annehmen, dass sie noch kommen werden", so der Papst. Mit Blick auf den Ukrainekrieg beklagte er "ein neues sinnloses Gemetzel, das jeden Tag unzählige zivile Opfer fordert".
Klare Worte zur Migration
Die vielen Kriegsschauplätze weltweit seien ein Grund dafür, warum so viele Menschen nach Europa kommen. Leo XIV. forderte für sie ernsthafte Aufnahme- und Integrationsprozesse, erinnerte aber auch an ihre Pflichten: "Einen Menschen aufzunehmen bedeutet, ihn wie ein Familienmitglied zu integrieren (...), aber auch, sich in den Geist des Hauses einzufügen."
Der Papst verankerte seine Forderungen in den christlichen Wurzeln Europas. Diese haben, so der Papst mit einem Zitat Schumans, "die Gleichheit aller Menschen in ihrer Natur gelehrt als Kinder desselben Gottes " und durch das "universelle Gesetz der Liebe und der Nächstenliebe (...) jeden Menschen zu unserem Nächsten gemacht". Aus dieser christlichen Prägung leiteten sich die zentralen europäischen Werte wie Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit und Rechtsstaatlichkeit ab.
"Man muss die historische Tragweite dessen begreifen, was gerade geschieht, nämlich eine beispiellose Begegnung zwischen Völkern und Kulturen, die zur kreativen Wiederentdeckung unserer Wurzeln und zugleich zum aufmerksamen Hören auf den Anderen aufruft", appellierte Leo XIV. Die Universalität der Grundwerte Europas sorge für die Gewissheit, dass dieser Dialog möglich sei. Zugleich lehnte er einen "naiven Irenismus" ab - also eine Haltung, die zur Vermeidung offener Konflikte darauf verzichtet, vorhandene Unterschiede zu benennen.
Appell an Europas Jugend
Zum Abschluss seiner Rede im Robert-Schuman-Kongresszentrum richtete sich der Papst an die jungen Europäer und rief sie zu Friedensengagement, Familiengründung, Lebensschutz und politischem Engagement auf. "Habt den Mut, die Mission des Friedenstiftens verantwortungsbewusst zu erfüllen, in eurem Herzen, in euren Beziehungen, in eurer Familie, in den Schulen und Universitäten, im Leben eurer Städte, eurer Länder und ganz Europas."
Macron und Aveline erinnern an Gründerväter Europas
Der französische Präsident Emmanuel Macron rief in seiner Rede bei der Veranstaltung mit Papst Leo XIV. dazu auf, die Ideale der Gründerväter Europas hochzuhalten und zu verteidigen. Es gehe um ein "Europa, das beschützt, das eint und das handelt", sagte er bei dem Treffen zu den Wurzeln Europas in Metz. Dieses Europa sei "souverän, geeint und demokratisch" und beseelt von dem "Projekt des Friedens und des Wohlstands", das die Gründerväter gewollt hätten.
Zuvor hatte Macron betont, dass die in vielen Kriegen umkämpfte Region Lothringen nach dem Zweiten Weltkrieg zum "Eckstein" für den Aufbau eines geeinten Europas geworden sei. Diese Idee von 1950 sei 1963 von Charles de Gaulle und Konrad Adenauer im Élysée-Vertrag besiegelt worden.
In seiner Rede verteidigte Macron das militärische Engagement Frankreichs an der Seite der von Russland angegriffenen Ukraine. Es gehe darum, "unsere Sicherheit zu garantieren und unsere Werte zu verteidigen". Deshalb stehe Frankreich unverrückbar an der Seite der angegriffenen Ukraine und des internationalen Rechts.
Macron dankt dem Papst
Am Ende seiner Rede dankte er dem Papst für seine viertägige Frankreichreise und bescheinigte ihm, er habe Frankreich als eine glückliche Nation erlebt. Das geflügelte Wort der Deutschen vom "Leben wie Gott in Frankreich" werde man von nun an neu interpretieren und sagen: "Glücklich sein wie Leo XIV. In Frankreich".
Zuvor hatte der Vorsitzende der Französischen Bischofskonferenz, Kardinal Jean-Marc Aveline, erklärt, dass Leo XIV. persönlich bei der Vorbereitung seiner Frankreichreise den Wunsch geäußert habe "wegen Europa nach Metz" zu kommen. Aveline erinnerte daran, dass in Lothringen "auf den Humus einer wegen Kriegen und Hass blutgetränkten Erde die kühne Sehnsucht einer Versöhnung der Völker" gewachsen sei.
Robert Schumann in Metz, Alcide De Gasperi in Italien und Konrad Adenauer in Deutschland sowie zahlreiche andere hätten dafür gesorgt, dass aus diesen "Intuitionen Institutionen entstehen konnten, um dem endlosen Kreislauf der Rache zu entfliehen und die Basis für eine neue Hoffnung zu schaffen".
Christen, Muslime, Juden und Buddhisten unterzeichnen beim Papstbesuch in Frankreich den "Aufruf von Metz" - Papst betont: Religiöse Rechtfertigung von Gewalt entweiht den Namen Gottes