Eine große Geschichte, wenige verbliebene Aktive, zuletzt überraschend viele Neueintritte
Paris, 18.09.2026 (KAP/KNA) Die katholische Kirche in Frankreich zählt zu den traditionsreichsten und geistesgeschichtlich wichtigsten in Europa. Marksteine ihrer reichen Geschichte sind etwa für das christliche Mittelalter die Taufe von Frankenkönig Chlodwig, die Reichskirche Karls des Großen ("Charlemagne"), die großen Ordensbewegungen und das "Zeitalter der Kathedralen"; weiter die Religionskriege des 16./17. Jahrhunderts, die nationalkirchliche Strömung des "Gallikanismus", die Aufklärung und die Französische Revolution.
Zu Frankreichs Kulturerbe gehören ungezählte Klöster und Kathedralen von Weltrang. Laut Katholischer Nachrichten-Agentur (KNA) bezeichnet sich heute noch jeder zweite der etwa 68 Millionen Einwohner Frankreichs als katholisch. Allerdings ist die Zahl der praktizierenden Katholiken, der Priester und Ordensleute seit Jahrzehnten stark rückläufig.
Hohe Zahl von Erwachsenentaufen
Selbst katholische Medien bezifferten die "Praktizierenden" zuletzt nur mit zwei Prozent der Bevölkerung, mit unterschiedlicher regionaler Ausprägung. Zuletzt verzeichnete Frankreich eine bemerkenswerte Zahl von Taufen unter Erwachsenen und Jugendlichen, die international Beachtung findet, jedoch noch nicht so recht erklärbar erscheint. Auch sind in Frankreich rechtskatholische, traditionalistische Strömungen vergleichsweise stark vertreten.
Die Kirchen in Frankreich sind geprägt von der 1905 gesetzlich verankerten strikten Trennung vom Staat. Eine Ausnahme bilden die zwischenzeitlich zu Deutschland gehörenden Grenzregionen Elsass und Lothringen, wo das fortgeltende Konkordat von 1801 den damals ansässigen Religionsgemeinschaften - also nicht dem Islam - einen Sonderstatus sichert.
Kirchenbeitrag gibt es in Frankreich nicht
Seit der Verstaatlichung ihres kompletten Eigentums im Zuge der Französischen Revolution finanziert sich die katholische Kirche allein durch Spenden und Beiträge der Katholiken; das Modell eines Kirchenbeitrags wie in Österreich gibt es nicht. Der Unterhalt von Kirchengebäuden, die vor 1905 errichtet wurden, obliegt dem Staat; Neubauten sind selbst zu finanzieren. Nach wie vor sehr aktiv ist die Kirche in Bildung und Medien. Viele Grund- und Oberschüler besuchen katholische Einrichtungen, auch und vor allem im ländlichen Raum.
Als Kolonialmacht prägte Frankreich mit Bischofspersönlichkeiten und Ordensleuten auch kirchlich viele Länder in Übersee, vor allem in großen Teilen Afrikas. Die Kirche im französischen Mutterland ist in 94 teils sehr kleine Diözesen plus eine Militärdiözese eingeteilt. In den verbliebenen Übersee-Territorien gibt es zusätzlich 9 Diözesen; ihre Bischöfe sind ordentliche Mitglieder der Französischen Bischofskonferenz.
(Diese Meldung ist eines Themenpakets zum Papstbesuch in Frankreich. Alle Meldungen des Schwerpunkts sind abrufbar unter www.kathpress.at/Papst-Leo-in-Frankreich)