Eskalierter Geschichtsstreit zwischen beiden Staaten um Kriegsmassaker - Mitglieder der Bischofskonferenz in Warschau rufen auf, "keine nationalistischen Auseinandersetzungen zu schüren"
Warschau, 27.08.2026 (KAP/KNA) Polens katholische Bischöfe verurteilen "zunehmende Aggressionen zwischen Ukrainern und Polen". All diese Vorfälle widersprächen grundlegend dem Handeln der Kirche, erklärte der Ständige Rat der Bischofskonferenz nach einer Versammlung am Mittwoch in Tschenstochau (Czestochowa). Das gelte unabhängig davon, ob sie einen nationalen Hintergrund hätten oder es sich um Rowdytum handle.
Die Bischofskonferenz habe wiederholt zur Solidarität mit den Hilfsbedürftigen in der Ukraine und zur Versöhnung zwischen beiden Nachbarvölkern aufgerufen, heißt es in der Erklärung. Die Bischöfe seien vollkommen davon überzeugt, dass "die leidvollen Wunden der Geschichte" heilen könnten und an ihre Stelle gegenseitiger Respekt trete. Sie plädieren für einen "ehrlichen historischen Dialog, damit die dunklen Flecken unserer gemeinsamen Geschichte vollständig aufgeklärt werden".
Und weiter: "Wir rufen ebenfalls auf, keine nationalistischen Auseinandersetzungen zu schüren." Staatliche Stellen sollten derartige Vorfälle unterbinden und sicherstellen, "dass die Gesetze von allen, die sich in unserem Land aufhalten, geachtet werden".
Serie von Gewalt gegen Ukrainer
In Polen gab es in diesem Sommer eine Serie von Gewaltakten gegen Ukrainerinnen und Ukrainer im öffentlichen Raum. Mitte August hatte der bekannte polnische Philosoph und Theologe Michal Heller "das Schweigen meiner Kirche angesichts der anti-ukrainischen Stimmungsmache" kritisiert. Ihn betrübe sehr, dass diese Stimmung von Politikern geschürt werde, die sich als Katholiken deklarierten, sagte der Templeton-Preisträger dem Magazin "Polityka". Etwa gleichzeitig verurteilte der Krakauer Kardinal Grzegorz Rys in einem Hirtenbrief die Übergriffe auf Ukrainer in Polen.
Die Bischöfe gehen in ihrer aktuellen Erklärung nicht auf den eskalierten Geschichtsstreit zwischen beiden Staaten um Kriegsmassaker an Zehntausenden Zivilisten 1943/44 in der heutigen Westukraine ein. Anlass war die Verleihung des Beinamens "Helden der UPA" an eine Spezialeinheit der ukrainischen Streitkräfte durch Präsident Wolodymyr Selenskyj im Mai. Die Ukrainische Aufstandsarmee (UPA) kämpfte im Zweiten Weltkrieg sowohl gegen Nazi-Deutschland als auch gegen die Rote Armee für die Unabhängigkeit der Ukraine. Sie tötete aber auch Zehntausende polnische Zivilisten.
Schon Ende Juni hatten u.a. der Kiewer Großerzbischof Swajtoslaw Schewtschuk, die polnischen Kardinäle Konrad Krajewski, Kazimierz Nycz und Grzegorz Rys sowie Kardinal Mykola Bychok, Bischof der Exil-Ukrainer im australischen Melbourne, in einem am Rande einer Kardinalsversammlung in Rom unterzeichneten Aufruf zu Versöhnung im Streit zwischen Polen und der Ukraine gemahnt. Angesichts wachsender gegenseitiger Spannungen gelte es, "die Sprache zu entwaffnen" und den mit dem Segen des heiligen Johannes Paul II. (1978-2005) eingeschlagenen Weg des Dialogs fortzusetzen, hielten die Kardinäle fest.