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Schöpfungsverantwortung
Bild Copyright: © Moritz Schell

Klimaschutz: Schwarz ruft zu gesellschaftlichem Schulterschluss auf

26.08.2026 12:31
Österreich/Kirche/Klimaveränderung/Soziales/Schwarz
St. Pöltner Bischof in "Kirche bunt"-Interview: "Es hilft niemandem, Menschen pauschal als Klimaleugner oder umgekehrt als Klimahysteriker abzustempeln" - Klimaschutz soll sozial ausgewogen gestaltet werden
St. Pölten, 26.08.2026 (KAP) Um die Folgen des Klimawandels abzufedern bzw. effektive Klimaschutzmaßnahmen voranzutreiben, braucht es einen gesellschaftlichen Schulterschluss. Das mahnt der St. Pöltner Bischof Alois Schwarz an. "Es hilft niemandem, Menschen pauschal als Klimaleugner oder umgekehrt als Klimahysteriker abzustempeln. Wir müssen Sorgen ernst nehmen und zugleich wissenschaftliche Erkenntnisse respektieren", so der Bischof im Interview mit der St. Pöltner Kirchenzeitung "Kirche bunt" (Mittwoch). Eine Gesellschaft finde tragfähige Lösungen nicht durch gegenseitige Beschimpfungen, sondern durch Dialog und die Bereitschaft, voneinander zu lernen. Schwarz ist in der Österreichischen Bischofskonferenz für Wirtschafts- und Landwirtschaftsthemen zuständig und gehört der Bischöflichen Kommission für Gesellschaft und Soziales an.

Zur Frage, welche politischen Klimaschutzmaßnahmen er angesichts zunehmender Wetterextreme für besonders dringlich erachte, meinte Schwarz, dass er als Bischof der Politik keine detaillierten Maßnahmenkataloge vorgeben wolle, aber: "Ich wünsche mir langfristige und verlässliche Rahmenbedingungen. Dazu gehören der Schutz von Böden und Wasser, eine widerstandsfähige Land- und Forstwirtschaft, Vorsorge gegen Naturgefahren sowie Investitionen in klimafreundliche Energie und Infrastruktur." Besonders wichtig sei ihm, dass notwendige Veränderungen sozial ausgewogen gestaltet werden und Menschen mit geringeren Einkommen nicht überfordern.

Es werde immer deutlicher, wie eng ökologische und soziale Fragen miteinander verbunden sind, so Schwarz: "Wenn sich das Klima verändert, trifft das nicht alle Menschen gleichermaßen. Wer wenig Geld hat, wer krank oder pflegebedürftig ist oder wer wirtschaftlich unmittelbar von der Natur lebt, spürt die Folgen oft zuerst." Die Sorge um die Schöpfung sei deshalb immer auch Sorge um den Menschen.

Die zunehmenden Wetterextreme stellten Landwirtschaft, Gemeinden, Gesundheitswesen und Infrastruktur vor neue Herausforderungen. Vorsorge und Anpassung seien daher ebenso notwendig wie konsequenter Klimaschutz. Dabei "dürfen wir nicht nur von Verzicht sprechen", so Schwarz. "Es geht auch um Innovation, neue Technologien und die Chance, unsere Lebens- und Wirtschaftsweise zukunftsfähiger zu gestalten." Die Menschen bräuchten nicht nur Warnungen, sondern auch Zuversicht und konkrete Perspektiven.

Im Blick auf die Landwirte hielt der Bischof einmal mehr fest, dass man deren Sorgen ernst nehmen müsse: "Hinter Meldungen über Niederschlagsmengen, ausgetrocknete Böden und Ernteausfälle stehen Menschen und Familien, die um ihre wirtschaftliche Existenz ringen. Gleichzeitig sehe ich viele Bäuerinnen und Bauern, die mit großem Wissen und enormem Einsatz ihre Betriebe weiterentwickeln und sich an veränderte Bedingungen anpassen. Diese Menschen verdienen nicht nur unsere Anerkennung, sondern verlässliche Rahmenbedingungen und konkrete Unterstützung."

Die Bäuerinnen und Bauern sorgten für hochwertige Lebensmittel, pflegten die Kulturlandschaft und würden Verantwortung für Böden, Wälder und Lebensräume übernehmen. "Wer regionale Lebensmittel kauft und bereit ist, für Qualität einen fairen Preis zu bezahlen, stärkt diese Betriebe", unterstrich Bischof Schwarz. Nachsatz: "Wertschätzung muss sich auch wirtschaftlich zeigen."

Kirche soll "erinnern, ermutigen und selbst handeln"

Zur Frage, welche Rolle die Kirche in der Klima- und Umweltdiskussion einnehmen sollte, meinte der Bischof: "Die Kirche sollte erinnern, ermutigen und selbst handeln." Schöpfungsverantwortung gehöre zum Kern des christlichen Glaubens. Die Kirche könne Menschen zusammenbringen, die unterschiedliche Perspektiven haben. Und: "Wir müssen auch unsere eigenen Gebäude, Flächen, Beschaffungswege und unseren Energieverbrauch kritisch betrachten. Glaubwürdig sind wir dann, wenn wir nicht nur Forderungen an andere stellen", so der St. Pöltner Bischof.

Anlass des Interviews war u. a. der "Weltgebetstag für die Schöpfung", mit dem die Kirchen am 1. September in die "Schöpfungszeit" starten, die bis 4. Oktober dauert. In diesen fünf Wochen machen die Kirchen österreichweit mit zahlreichen themenbezogene Veranstaltungen und Gottesdienste auf die Dringlichkeit der Bewahrung der Schöpfung aufmerksam.

(Infos zur Schöpfungszeit: www.katholisch.at/schoepfungszeit; www.schoepfung.at, www.oekumene.at; https://argeschoepfung.at/)
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