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Verleihung am 1. August 2018 im Rahmen der 'Salzburger Hochschulwochen'
Pädagogik
Bild Copyright: © Henning Klingen / Kathpress

Soziologe Joas: "Menschenwürde ist ein attraktiver Wert"

11.07.2026 07:29
Österreich/Wissenschaft/Religion/Schule/Soziologie/Soziales
Redner bei "Pädagogischer Werktagung" in Salzburg im "Rupertusblatt"-Interview über gelebte Werte statt bloßer Moralpredigten und guter Wertevermittlung
Salzburg, 11.07.2026 (KAP) Weder gute Vorsätze noch Moralpredigten in der Erziehung würden Menschen bewegen, das Gute zu tun. Darauf hat der deutsche Soziologe und Philosoph Hans Joas im Interview mit dem Salzburger "Rupertusblatt" aufmerksam gemacht. Nur die Bindung an ohne Absicht entstandene Werte könnte dazu beitragen, dass Menschen von einer Vorstellung so "ergriffen" werden, dass sie das Gute aus eigenem Antrieb tun wollen, erklärte Joas im Vorfeld der Pädagogischen Werktagung in Salzburg unter dem Titel "WERT.schätzen", bei der er den Eröffnungsvortrag halten wird. Dort wird der Ernst-Troeltsch-Honorarprofessor für Religionssoziologie an der Berliner Humboldt-Universität über die zentrale Bedeutung der universalen Menschenwürde referieren.

"Es passiert etwas mit uns, wenn wir uns gebunden fühlen, ich verwende das altmodische deutsche Wort 'man wird von etwas ergriffen'", sagte Joas. Werte seien keine restriktiven Normen, die etwas untersagen, sondern "attraktiv, in dem Sinn, dass ein Mensch so ergriffen ist, dass er das Gute tun will."

Die "universale Menschenwürde", der sich Joas auch in seinem zuletzt erschienenen Buch "Universalismus. Weltherrschaft und Menschheitsethos" (2025) widmet, sei nicht einfach ein allgemeingültiger Wert. Menschen, die nach der Wertvorstellung, dass alle Menschen die gleiche Würde haben, lebten, könnten in ihrer Zahl sehr beschränkt sein. Als Beispiel nannte der Wissenschaftler die NS-Herrschaft, in der die universale Menschenwürde nur noch von einer Minderheit verfochten wurde. Mit seiner Arbeit wolle er gegensteuern: "Ich will mit meiner Forschung und meinem Schreiben dazu beitragen, dass der Wert der universalen Menschenwürde andere Menschen tatsächlich ergreift." Er selbst sei "ergriffen und begeistert von der Vorstellung, dass wir an das Wohl aller Menschen zu denken haben und nicht nur an das Wohl der uns Nahestehenden".

Wertevermittlung

Bezüglich der Rolle der Religionen für die Werteentwicklung hielt der Soziologe fest, dass in Europa ab dem 18. Jahrhundert "massive Prozesse der Schwächung von Religion" eingesetzt hätten, die sich bis heute verstärkten. Auch nicht alle Religionen würden sich am Wohl aller Menschen orientieren. Christinnen und Christen etwa seien aufgerufen, das Wohl aller Menschen zu bedenken, "ob sie Christen sind oder nicht". Gleichzeitig stellte er klar: "Um ein moralisch guter Mensch zu sein, muss man nicht religiös sein." Es gebe religiöse Menschen, die moralisch nicht gut handeln, ebenso wie nichtreligiöse Menschen, die moralisch gut handeln.

Bei der Wertevermittlung unterscheidet Joas drei wesentliche Dimensionen: die personale, die institutionelle und die intellektuelle Ebene. Die personale Dimension erfordere in der Erziehung eine glaubwürdige persönliche Verkörperung von Werten, wie es etwa Mahatma Gandhi tat, der "versuchte, nicht nur Gewaltlosigkeit zu predigen, sondern sie zu verkörpern".

Die institutionelle Dimension wiederum zeige sich am Zustand von Bildungseinrichtungen; verkommene Schulgebäude hätten einen negativen Effekt auf Vermittlungsprozesse, während wirksame Mitbestimmung - etwa von Studierenden - diese positiv präge. Als dritte Säule nannte der Soziologe die intellektuelle Dimension: Werte müssten auf dieser Ebene glaubwürdig artikuliert werden. "Man darf nicht sagen, Demokratie sei ein hoher Wert und dann Zustände billigen, in denen Menschen das Gefühl haben, sie dürften demokratisch nicht mitbestimmen."

74. Pädagogische Werktagung

Die 74. Internationale Pädagogische Werktagung in Salzburg lädt unter dem Motto "WERT.schätzen" von 15. bis 17. Juli nach Salzburg ein. Es diskutieren Pädagoginnen und Pädagogen sowie Expertinnen und Experten aus Sozialarbeit und Bildung über Wertevermittlung, Wertorientierung junger Menschen und Wertschätzung - so etwa die Theologin Regina Polak (17. Juli). Über die "Entstehung der Werte" wird der deutsche Soziologe Hans Joas sprechen (15. Juli). Der Sozialwissenschaftler, Team- und Motivationstrainer Werner Gruber wird einen Arbeitskreis zum Thema Humor als stärkende Kraft in der Pädagogik halten. Die Werktagung zählt zu den bedeutendsten pädagogischen Fachtagungen im deutschsprachigen Raum mit jährlich etwa 500 Teilnehmenden. (https://bildungskirche.at/werktagung)
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