Istanbul: Aus historischem orthodoxem Waisenhaus wird wohl Hotel
27.05.202615:51
Türkei/Kirche/Orthodoxie/Bartholomaios
Patriarch Bartholomaios gab bekannt, dass andere Pläne für das vom Verfall bedrohte größte Holzgebäude Europas auf der Prinzeninsel Büyükada aus finanziellen Gründen nicht realisierbar sind
Istanbul, 27.05.2026 (KAP) Was schon länger mehr oder weniger im Raum stand, wurde vom Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios nun endgültig bestätigt: Das historische griechisch-orthodoxe Waisenhaus auf der Prinzeninsel Büyükada (griechisch: Prinkipos) soll in ein Hotel umgebaut werden. Der Patriarch gab dies bei der Eröffnung einer Ausstellung zur Geschichte des Waisenhauses im örtlichen Museum auf Büyükada bekannt, wie der "Pro Oriente"-Informationsdienst am Mittwoch berichtete. Eigentlich hätte das Patriarchat das Gebäude restaurieren und in zwei internationale Zentren für den interreligiösen Dialog und für ökologische Studien und Forschung umwandeln wollen. Alle diese Pläne seien letztlich aber an der Finanzierung gescheitert, räumte Bartholomaios ein.
Schätzungen zufolge würde die Restaurierung des architektonisch einzigartigen Bauwerks mindestens 60 Millionen Euro kosten. Konkrete Pläne, um welche Art von Hotel es sich künftig handeln soll, wurden bisher nicht genannt, auch nicht vom Patriarchen. Es gibt auch Stimmen, die davor warnen, dass ein solches Hotel für die Insel aus verschiedenen Gründen - u.a. aus ökologischen - eine Nummer zu groß sei. Das Patriarchat hat jedenfalls auch schon in der Vergangenheit erklärt, dass alle Aktivitäten rund um das Waisenhaus "vollständig mit der Umwelt und dem architektonischen Charakter der Prinzeninseln harmonieren" würden.
Wechselvolle Geschichte
Das Waisenhaus hat für die Orthodoxe Kirche eine große symbolische Bedeutung. An der Geschichte des Hauses auf Büyükada spiegelt sich die wechselvolle und schwierige Geschichte der Kirche in der Türkei wider: Das Waisenhaus war 1898 als Hotel "Prinkipo Palas" eröffnet worden. Sultan Abdul Hamid II. weigerte sich jedoch, für den Betrieb des Luxushotels, zu dem auch ein Casino gehörte, die Betriebsbewilligung zu erteilen. So wurde das Gebäude 1902 von der Frau eines prominenten griechischen Bankiers gekauft und dem Ökumenischen Patriarchat geschenkt. Das Hotel wurde in ein von einer "frommen Stiftung" getragenes Waisenhaus umgewandelt.
Von 1903 bis 1963 war das Waisenhaus Heimat für insgesamt rund 5.800 Kinder der griechischen Minderheit im Osmanischen Reich bzw. später in der Türkei. Nach einem Großbrand musste es geräumt werden. Weil die Behörden dem Patriarchat die Genehmigung zur Instandsetzung verweigerten, konnte die Kirche das Gebäude nach dem Feuer nicht mehr nutzen. 1996 beschlagnahmte der Staat die Liegenschaft mit der Begründung, dass sie nicht mehr für den ursprünglichen Zweck genutzt werde.
Erfolgreiche Klage vor EGMR
Daraufhin trat das Ökumenische Patriarchat den juridischen Weg durch die Instanzen an, um die Rückgabe zu erreichen und ging bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg. Dieser gab 2007 einer Klage des Patriarchats gegen die Enteignung zunächst grundsätzlich Recht und verurteilte die Türkei im Juni 2010 zur Rückgabe des Gebäudes.
Verzögerungen bei der Übergabe und eine langwierige Sicherstellung der für die Renovierung nötigen 20 Millionen Euro führten dazu, dass mit ersten Maßnahmen zur Restaurierung erst 2023 begonnen werden konnte; bisher aber nicht im nötigen Ausmaß.