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Peru: Kardinäle knien vor Opfern des "Sodalicio"

26.05.2026 16:13
Peru/Kirche/Missbrauch/Korruption
Kirchenvertreter leisten vor Bauernfamilien Vergebungsbitte als Zeichen gegen Machtmissbrauch und kirchliches Schweigen
Lima, 26.05.2026 (KAP) Mit einem außergewöhnlichen Bußakt hat die katholische Kirche in Peru am Samstag indigene Bauernfamilien um Vergebung für jahrelanges Leid im Umfeld der aufgelösten Bewegung "Sodalitium Christianae Vitae" ("Sodalicio") gebeten. Bei einer Messe in Catacaos im Norden des Landes knieten mehrere Bischöfe, darunter die Kardinäle Carlos Castillo und Pedro Barreto, gemeinsam mit dem vatikanischen Sondergesandten Jordi Bertomeu vor Mitgliedern der betroffenen Gemeinde San Juan Bautista nieder.

Die Feier galt als symbolischer Akt der Wiedergutmachung gegenüber Kleinbauern des Tallán-Volkes. Diese werfen Unternehmen mit Verbindungen zum Sodalicio vor, sie über Jahre enteignet, verfolgt und eingeschüchtert zu haben. Während des Konflikts wurden laut Kirchenangaben auch zwei Gemeindemitglieder getötet. Zudem sei es zur Kriminalisierung von Gemeindeführern gekommen.

"Wir kommen nicht nur, um euch im Namen der Kirche um Vergebung zu bitten, sondern auch, um uns zu verpflichten, die Kirche zu erneuern", sagte der Erzbischof von Lima, Kardinal Castillo, in seiner Predigt. Unrecht könne nicht allein juristisch aufgearbeitet werden. "Wer zerstört, wer tötet, wer enteignet, was ihm nicht gehört, hat die Pflicht zu unendlicher Wiedergutmachung", erklärte er.

Vatikan-Gesandter Bertomeu räumte schwere Versäumnisse der Kirche ein. "Wir sind zu spät gekommen. Wir hätten schon vor 20 Jahren kommen können", sagte er vor den versammelten Familien. Zugleich bat er die Betroffenen, die Kirche auf ihrem Erneuerungsweg zu begleiten. Papst Leo XIV. unterstütze einen Kurs, der stärker auf Gerechtigkeit, Nähe zu den Opfern und konkrete Wiedergutmachung setze, sagte er.

Der Schritt fand über die Grenzen Perus hinaus viel Beachtung. Der in Ecuador lehrende Anthropologe und Salesianer José Enrique Juncosa bezeichnete die Geste der knienden Bischöfe als "real und eindringlich". Sie zeige, "dass die Kirche angesichts von Machtmissbrauch andere Geschichten schreiben kann". Der Akt sei ein Aufruf, "komplizenhaftes Schweigen" und die Versuchung zu überwinden, sich nicht auf die Seite der Schwächsten zu stellen. "Diese Geste evangelisiert mehr als tausend Worte und Predigten", erklärte Juncosa.

Das "Sodalicio" war 2025 von Papst Franziskus aufgelöst worden. Die einst einflussreiche katholische Laiengemeinschaft war nach schweren Missbrauchs- und Korruptionsvorwürfen in die Kritik geraten. Ihr Gründer Luis Fernando Figari wurde bereits 2024 aus der Bewegung ausgeschlossen.
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