ÖRK-Moderator Bedford-Strohm fordert wirksame Mechanismen zum Schutz der Freiheit und der Menschenwürde vor Datenkonzernen, "deren Monopolmacht mittlerweile praktisch unkontrollierbar ist"
Genf, 26.05.2026 (KAP) Der weltweite Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) dankt Papst Leo XIV. für seine Sozial-Enzyklika über den Schutz des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz (KI). Die technologische Entwicklung habe eine solche Dynamik erreicht, dass die Regeln, die einen verantwortungsvollen Umgang damit gewährleisten, "nicht Schritt gehalten haben", erklärte der Vorsitzende (Moderator) des Zentralausschusses des Weltkirchenrats und frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, am Dienstag am Sitz des ÖRK in Genf. Dies mache eine globale öffentliche Diskussion über diese "dringend benötigten" Regeln umso wichtiger. Papst Leo gebe dafür mit seiner Enzyklika "Magnifica humanitas" (Großartige Menschheit) einen starken Impuls.
Die Kirchen könnten mit ihrem reichen Schatz an Reflexion zum Wesen des Menschen beim Thema KI und Digitalisierung etwas Wichtiges beitragen, so Bedford-Strohm weiter. Eines der Ziele sei, wirksame Mechanismen zum Schutz der Freiheit und der Menschenwürde vor Datenkonzernen zu etablieren, "deren Monopolmacht mittlerweile praktisch unkontrollierbar ist".
Technologie muss Menschen dienen
Weltkirchenrat-Generalsekretär Jerry Pillay wies darauf hin, dass der ÖRK seit langem die Fortschritte und Vorteile von Technologie und KI in vielen Lebensbereichen anerkenne, zugleich aber vor den Herausforderungen warne, die diese für spirituelle, moralische und ethische Werte mit sich bringen, wenn sie nicht sorgfältig kontrolliert und überwacht werden. "Technologie muss dazu dienen, das menschliche Leben und die Lebensbedingungen zu verbessern und weiterzuentwickeln, und darf menschliche Arbeit, Werte und Würde nicht verdrängen", so Pillay.
Dem ÖRK gehören mehr als 350 Mitgliedskirchen in über 120 Ländern und Gebieten weltweit an, die rund 580 Millionen Christen vertreten. Zu ihnen zählen die Mehrzahl der orthodoxen Kirchen sowie anglikanische, baptistische, lutherische, methodistische und reformierte Kirchen, nicht jedoch die römisch-katholische Kirche.