Hoffnung auf den Sieg und ein Appell gegen die Instrumentalisierung der Religion. Das orthodoxe Osterfest war politisch geprägt. Im Heiligen Land konnten die Feierlichkeiten ohne Einschränkungen stattfinden.
Istanbul/Kiew/Jerusalem, 12.04.2026 (KAP/KNA) Orthodoxe Christen in aller Welt haben an diesem Wochenende Ostern gefeiert. Geprägt war das Fest von politischen Entwicklungen. In der Jerusalemer Altstadt kamen nach der Aufhebung von kriegsbedingten Einschränkungen Tausende Menschen zusammen. Russland und die Ukraine hatten sich auf eine 32-stündige Oster-Waffenruhe verständigt, die am Abend enden sollte. Doch schon vorher gab es Berichte über einen Bruch der Übereinkunft.
Das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, Patriarch Bartholomaios I., verurteilte in seiner Osterbotschaft jede Instrumentalisierung des christlichen Glaubens für kriegerische Zwecke. Die österliche Botschaft von der Auferstehung Christi sei eine Absage an Gewalt und Angst und ein Aufruf zu einem Leben in Frieden. "Krieg, Hass und Ungerechtigkeit widersprechen den grundlegenden christlichen Prinzipien", schrieb der Patriarch von Konstantinopel.
In der Ukraine hofft man auf den Sieg
Ukrainische Kirchenvertreter der orthodoxen und griechisch-katholischen Kirche machten indes Hoffnung auf einen Sieg ihres Landes. Der himmlische Glanz der Ostersonne trage das "Versprechen des Sieges" in sich, erklärte Kiews griechisch-katholischer Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk in seiner Osterbotschaft. Die Ostersonne könne man sehen, "auch wenn täglich tödliche Raketen und Drohnen aus dem Osten geflogen kommen".
Der leitende Metropolit der Orthodoxen Kirche der Ukraine, Epiphanius, bedankte sich in seiner Osterbotschaft bei Soldaten. Weiter sagte er, das österliche Licht solle "unsere Waffe, unser Schild und unser Schwert sein im gerechten Kampf gegen die Aggression des bösen russischen Reichs" sein.
Papst Leo XIV. wünschte nach dem traditionellen Mittagsgebet auf dem Petersplatz den vielen Ostkirchen Gottes Segen und Frieden zum Fest der Auferstehung.
Tausende Menschen in Jerusalemer Altstadt
Die orthodoxen Osterfeierlichkeiten in Jerusalem waren die einzigen, die in diesem Jahr wie gewohnt stattfinden konnten, nachdem Donnerstagmorgen die Versammlungsbeschränkungen aufgehoben worden waren. Zur traditionellen Feier des "Heiligen Feuers" durften nach Polizeiangaben etwa 2.500 Besucher die Grabeskirche betreten; mehrere hundert Menschen waren auf dem Vorplatz. Weitere hielten sich in der gesamten Altstadt auf.
Die über 1.200 Jahre alte Liturgie des "Heiligen Feuers" am Samstagmittag gilt als Höhepunkt der ostkirchlichen Feiern in Jerusalem. Nach orthodoxem Volksglauben entzündet sich auf wundersame Weise eine Flamme an der als Grab Christi verehrten Kapelle. Das Feuer wird anschließend weitergereicht.
Die größte orthodoxe Kirche ist die in Russland, gefolgt von der äthiopisch-orthodoxen und der ukrainisch-orthodoxen Kirche. Bekannt ist auch die griechisch-orthodoxe Kirche, deren Oberhaupt Patriarch Bartholomaios I. ist. Insgesamt gehören nach Schätzungen bis zu 300 Millionen Menschen einer orthodoxen Kirche an. Die meisten von ihnen feiern Ostern nach dem julianischen Kalender, also nur selten zeitgleich mit evangelischer und katholischer Kirche.