Begegnungsfeier der St. Nikolausstiftung mit neuem Wiener Erzbischof im Wiener Stephansdom mit Bekenntnissen zu Vielfalt, Integration und Zusammenhalt
Wien, 11.04.2026 (KAP) Auf die grundlegende Bedeutung frühkindlicher Bildung für die Gesellschaft und deren Entwicklung hat Erzbischof Josef Grünwidl hingewiesen. Die Begleitung von Kindern im Kindergartenalter schaffe die "Basis für soziale Integration" und präge das weitere Leben, sagte er am Freitag bei einem Begegnungsgottesdienst im Wiener Stephansdom mit den rund 1.250 Mitarbeitenden der St. Nikolausstiftung. Pädagoginnen und Pädagogen würden Talente, Selbstvertrauen, Kreativität und soziale Kompetenzen fördern. Ihre Tätigkeit sei trotz Belastungen des Berufs "sinnvoll, unverzichtbar für ein gutes Miteinander und eine gute Zukunft in unserer Gesellschaft", so der neue Wiener Erzbischof.
Besonders das "Urvertrauen" als Grundlage menschlichen Lebens hob Grünwidl in seiner Predigt hervor. Es sei vergleichbar mit dem Fundament eines Hauses und ermögliche Orientierung, Halt und Hoffnung. Mit der Zusage "Du bist nicht allein" beginne auch Religion - nicht mit Geboten. Dieses Vertrauen könnten Pädagoginnen und Pädagogen besonders an Kinder weitergeben, durch Aufmerksamkeit, Fürsorge und Nähe auch in herausfordernden Situationen.
Verschiedenheit als Bereicherung
Zugleich hob der Erzbischof die Vielfalt innerhalb der St. Nikolausstiftung hervor. Die "bunt gemischte Familie" umfasse unterschiedliche christliche Konfessionen, Religionen sowie Menschen ohne religiöse Bindung. Vielfalt sei dabei "keine Bedrohung, sondern eine Bereicherung". Lebendigkeit und Buntheit seien Ausdruck des Heiligen Geistes, während Uniformität und Eintönigkeit diesem widersprächen.
Vertreter der Stiftung und der Stadt Wien unterstrichen die Bedeutung dieser Haltung. Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling bezeichnete den Kindergarten als zentraler Ort des Zusammenhalts, an dem Kinder erstmals Gemeinschaft außerhalb der Familie erleben. Die Stiftung sei eine wichtige Partnerin der Stadt und zeige, "dass gelebte Vielfalt bereits im Kindergarten beginnt". Geschäftsführer Elmar Walter nannte die Feier ein "starkes Signal für ein offenes, vielfältiges Miteinander" und betonte, Verschiedenheit werde von der Stiftung bewusst als Bereicherung verstanden.
Die St. Nikolausstiftung betreibt rund 90 Kindergärten und Horte in Wien und betreut mehr als 6.000 Kinder. Die Pädagogische Leiterin, Susanna Haas, betonte, Vielfalt sei kein Schlagwort, sondern gelebte Praxis: "Was wir im Stephansdom feiern, leben wir jeden Tag in unseren Einrichtungen." Die Bildungsarbeit leiste damit einen wesentlichen Beitrag zu einer offenen und pluralen Gesellschaft. Die Stiftung heißt in ihren Einrichtungen Kinder unabhängig von Herkunft, Religion, familiärem Hintergrund oder individuellen Bedürfnissen willkommen.
Zeichen gegen Polarisierung
Der Begegnungsgottesdienst im Stephansdom wurde bewusst so gestaltet, dass Menschen unterschiedlicher religiöser und kultureller Hintergründe gemeinsam teilnehmen konnten. Damit sollte ein Zeichen gegen gesellschaftliche Polarisierung und für ein respektvolles Zusammenleben gesetzt werden, hieß es. Es war dies die erste offizielle Begegnung der Mitarbeitenden der Stiftung mit dem neuen Wiener Erzbischof, der kraft seines Amtes die Rolle des Protektors der kirchlichen Kindergartenstiftung innehat. (Infos: www.nikolausstiftung.at)