"Internationaler Tag der Straßenkinder" am 12. April - "Jugend Eine Welt"-Geschäftsführer Heiserer: Bildung Schlüssel, um Armut nachhaltig zu überwinden und ein eigenständiges Leben führen zu können - Mädchen besonders gefährdet
Wien, 10.04.2026 (KAP) Die Zahl der Straßenkinder weltweit wird auf bis zu 150 Millionen geschätzt. Die betroffenen Kinder seien weder offiziell registriert worden, noch hätten die einen Zugang zu staatlichen Leistungen wie Gesundheitsfürsorge oder Schulbildung, wies die österreichische Entwicklungsorganisation "Jugend Eine Welt" anlässlich des Internationalen Tags der Straßenkinder (12. April) hin. "Genaue Zahlen gibt es nicht und kann es nicht geben, denn viele Straßenkinder besitzen gar keine Geburtsurkunde", so Geschäftsführer Reinhard Heiserer. Besonders prekär sei die Lage für Mädchen, die häufig Opfer von Gewalt, sexualisierter Ausbeutung und Menschenhandel werden. Bildung, Sicherheit, Verpflegung sowie medizinische Betreuung seien für sie besonders wichtig, so Heiserer.
Bei der Unterstützung von Straßenkindern gehe es darum, Vertrauen aufzubauen, stabile Beziehungen zu schaffen und den Kindern langfristige Chancen zu geben, betonte Heiserer, also nicht um kurzfristige Hilfe. Vor allem Bildung spiele eine zentrale Rolle, "weil sie der Schlüssel ist, um Armut nachhaltig zu überwinden und ein eigenständiges Leben führen zu können".
"Jugend Eine Welt" unterstützt seit der Gründung 1997 Straßenkinder-Projekte weltweit. So etwa in Nigeria, wo das Hilfswerk mit seinen Projektpartnern, den Salesianern Don Boscos, ein Kinderschutzzentrum für weibliche Straßenkinder in Lagos finanziert hat. Allein in der Megacity Lagos leben gut 22 Millionen Menschen, darunter geschätzt 100.000 Straßenkinder. Mädchen gelten als besonders gefährdet. Rund 40 Mädchen und junge Frauen erhalten dort ein neues Zuhause, Verpflegung, medizinische Betreuung und Schulbildung.
Recht auf ein Leben in Würde
Mädchen, die zuvor täglich Misshandlungen ausgesetzt gewesen seien, hätten die Möglichkeit, an integrierten Bildungs- und Therapieprogrammen teilzunehmen, so das Hilfswerk. Auch ihre Familien würden davon profitieren, da die nigerianische Gemeinschaft stärker für Kinderschutz sensibilisiert wird. "Viele Straßenkinder haben Gewalt, Vernachlässigung und extreme Armut erlebt. Deshalb braucht es mehr als nur materielle Hilfe - es braucht Zuwendung, psychosoziale Betreuung und Menschen, die an sie glauben. Erst dann können diese Kinder ihr Potenzial entfalten und neue Lebensperspektiven entwickeln", so Heiserer.
Bildung und soziale Projekte sowie Prävention und langfristige Entwicklung gingen dabei Hand in Hand. Jedes Kind hat ein Recht auf ein Leben in Würde. "Das gilt unabhängig davon, ob es in Europa oder in einem der ärmsten Länder der Welt geboren wurde", so Geschäftsführer Heiserer.